• Melanie Henke

Wissen ist keine Garantie für Kompetenz

Aktualisiert: Jan 4



Seit einigen Jahren erfreut sich der Begriff „Kompetenzen“ im Sprachgebrauch wachsender Beliebtheit. Doch worüber reden wir, wenn wir von „Kompetenzen“ sprechen? Zunächst sei gesagt, dass es aktuell kein endgültiges Kompetenzverständnis und keine abschließende Kompetenzdefinition gibt. Es gibt allerdings viele Versuche, Kompetenzen zu verstehen und das Verstandene anzuwenden.


Der Versuch einer Definition

Als Kompetenz beschreibt man die erlernbare Fähigkeit, das eigene Wissen und die eigenen Fertigkeiten auch in anderen Situationen sachgerecht, individuell und sozial verantwortlich anwenden zu können.



Einfacher formuliert:

Kompetenzen bezeichnen Fähigkeiten von Menschen, bestimmte schwierige Aufgaben selbstständig durchführen zu können.


Auch wenn Fachwissen die Basis von Kompetenzen ist, so sind Kompetenzen doch weit umfassender als Fachwissen bzw. Qualifikationen. Damit sind sie eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Lebensbewältigung, da Fachwissen allein mich noch nicht handlungsfähig macht. Kompetenzen sind also nicht „Wissen“, sondern Handlungsfähigkeiten, die es mir ermöglichen, Fachwissen und fachbezogenen Fertigkeiten sinnvoll und flexibel anzuwenden.


Was sind denn nun Kompetenzen?

Im Grunde genommen lassen sich Kompetenzen als ein Bündel von Kenntnissen, Handlungserfahrungen, Fertigkeiten, Fähigkeiten und Einstellungen verstehen.

  • Kenntnisse: Hierunter wird unser konkretes, abfragbares Wissen verstanden.

  • Erfahrungen: Hiermit sind Handlungserfahrungen, welche wir mit einer bestimmten Kompetenz bereits gesammelt haben, gemeint.

  • Fertigkeiten: Hierzu zählt, alles was wir praktisch können, was erlern- und trainierbar ist („Computerprogramm bedienen“).

  • Fähigkeiten: Hiermit sind unsere Eigenschaften als Person, unsere Talente, unsere Anlagen, die wir als Voraussetzungen mitbringen, gemeint. Sie bilden die Voraussetzung dafür, eine Vielzahl praktischer Fertigkeiten zu erlernen.

  • Einstellungen: Hierunter ist unsere Motivation gemeint, unsere Fähigkeit, unser eigenes Verhalten so zu steuern, dass wir Aufgaben erledigen und Ziele erreichen können.



Wir sehen also, dass fachliche Qualifikationen keine Aussage darüber machen, ob ich Freude an meiner eigenen Arbeit empfinde, mich motivierend, ergebnisorientiert, neutral, glaubwürdig in Prozesse einbringen, eigenverantwortlich arbeiten kann oder mich selbst gut organisieren und mit anderen in produktive Kooperationen gehen oder schwierige Situationen mit Gelassenheit und Optimismus bewältigen kann.


Wie erwerbe ich Kompetenzen?

Kompetenzen basieren auf meinen Werten und werden durch Erfahrungen gefestigt. Kompetenzen lassen sich nur durch Emotion- und motivationsaktivierende Lernprozesse erwerben. Solche Emotionen und Motivationen werden besonders in instabilen Situationen aktiviert, in denen allein durch „denken“ keine Lösungen gefunden werden können.



Kompetenzen bilden sich im Leben heraus, einige schon in der frühen Kindheit, einige in aktuellen Lebens- und Arbeitsprozessen. Sie sind nicht theoretisch vermittelbar, aber durch klug gesetzte, ergebnisoffene Handlungssituationen trainierbar. Sie können angeregt und gefördert werden und benötigen neben „Learning by Doing“ qualifiziertes Feedback und Reflexion über den Entwicklungsfortschritt.


Ist Kompetenz messbar?

Kompetenz ist nicht messbar, sondern das Ergebnis kompetenten Handelns, die sogenannte Performance.





Welche Kompetenzen sind heute wichtig?

Kompetenzen, die in der heutigen Zeit besonders wichtig sind, sind eine hohe Lernbereitschaft, Offenheit für Veränderungen, die Fähigkeit, sich schnell neuen Begebenheiten anpassen zu können und neue digitale Mittel nutzbar zu machen. Es braucht Kompetenzen, um mit den großen Wissensdaten umgehen zu können und aufgrund dieser Daten Entscheidungen fällen zu können. Kompetenzerwerb und Kompetenzvermittlung wird somit immer wichtiger.


Wann lohnt sich ein Blick auf meine Kompetenzen?

Die Flexibilisierung der Arbeitswelt schreitet immer schneller voran. Wir sind immer stärker gefordert, uns neuen Bedingungen anzupassen. Damit verbunden ist auch die Anforderung, sich immer wieder neu erklären zu müssen. Oftmals fällt es uns schwer, zu sagen, was genau wir besonders gut können. Zumal Expert:innen davon sprechen, dass wir bis zu 75 % unserer Kompetenzen in keiner Schule und keiner Ausbildung gelernt haben und in keinem Zeugnis stehen. So fällt es etwa in einem Bewerbungsgespräch vielen von uns schwer, die eigenen Kompetenzen gut nachvollziehbar darzustellen.



Wenn du dich also:

  • beruflich umorientieren möchtest,

  • einen Wiedereinstieg in dein Berufsleben anstrebst,

  • du eine neue Stufe deiner beruflichen Entwicklung erreicht hast

  • oder dich aus einem anderen Grund mit deinem persönlichen Werdegang beschäftigen möchtest,

ist der Blick auf deine Kompetenzen hilfreich und für deine Zukunft richtungsweisend.


Grundlage für die Erarbeitung deiner eigenen Kompetenzen ist die intensive Auseinandersetzung mit deinem eigenen Werdegang. Gerne unterstütze ich dich bei deinem Blick auf deine Kompetenzen mit der Kompetenzenbilanz*. Wobei die Kompetenzenbilanz hierfür nur ein Anstoß sein kann, denn die entscheidenden Schritte musst du selbst gehen.


Sei dir gewiss, du steckst voller Kompetenzen, also sei mutig und gehe deinen Weg!



Bei weiteren Fragen zur Kompetenzenbilanz melde dich gerne unter:

Kompetenzenbilanz Coaching


Mehr Wissen zur Kompetenzenbilanz findest du hier:

Kompetenzenbilanz - was ist das und was kann sie für mich tun?




*Weiterbildungsguide der Stiftung Warentest 2017: In einer Studie der Stiftung Warentest im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung schnitt die Kompetenzenbilanz am besten von allen 11 getesteten Verfahren ab.


Quellen:

Lang-von Wins, T. & Triebel, C. (2006). Kompetenzenorientierte Laufbahnberatung. 2. Aufl. Heidelberg

North, K.; Reinhardt, K.; Sieber-Suter, B. (2018). Kompetenzenmanagement in der Praxis. Mitarbeiterkompetenzen systematisch identifizieren, nutzen und entwickeln. 3. Aufl. Heidelberg

Erpenbeck, J.; von Rosenstiel, L.; Grote, S.: Sauter, W. (2017) (Hrsg.). Handbuch Kompetenzmessung. Erkennen, Verstehen und Bewerten von Kompetenzen in der betrieblichen, pädagogischen und psychologischen Praxis. 3. Aufl. Stuttgart

Erpenbeck, J. & Heyse, V. (2009). Kompetenzentraining. Informations- und Trainingsprogramme. 2. Aufl. Stuttgart

49 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen